Arbeitslos, Arbeit los oder los arbeite!
Erstellt von Schreiberling am Dienstag 22. November 2011
"Arbeitslos ? Warum, ist die Welt denn schon fertig ?" Ich weiß nicht, wer diesen Spruch eigentlich zuerst gesagt hat, aber er hängt bei einem Bekannten an der Tür. Und eigentlich enthält er weit mehr Wahrheit, als auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Nehmen wir erst einmal die "Arbeit". Denn ohne die Definition der selbigen wird es auch schwer werden, das "Arbeitslos" zu verstehen.
Eigentlich ist Arbeit, zumindest physikalisch gesehen, "wenn eine Kraft längs eines Weges auf einen Körper wirkt." In diesem Sinne würde man erwarten, dass Menschen, die arbeiten, etwas bewegen. Und auch in der Realität wurde Arbeit lange als Kraftaufwendung verstanden, um etwas Sinnvolles zu schaffen. Was genau "sinnvoll" ist, definierte meist derjenige, der die Macht dazu hatte. Irritierenderweise wurden diejenigen, welche die Arbeit bestimmten und sie physikalisch in Anspruch nahmen, später "Arbeitgeber" genannt und diejenigen, welche die Arbeit verrichteten und sie gaben, "Arbeitnehmer." Warum, weiß vermutlich keiner, aber ich könnte mir denken, dass man lieber jemand ist, der etwas gibt, als jemand, der etwas nimmt.
[Vielleicht ist die folgende Beobachtung nicht ganz richtig, aber nur das Ergebnis ist für die weitere Betrachtung relevant.]
Interessanterweise wurde der Arbeitsbegriff im Laufe der Zeit immer abstrakter. Immer weniger Arbeit musste körperlich verrichtet werden, und immer mehr andere Arbeiten erledigten die Arbeitnehmer für Arbeitgeber. Im Zuge der Emanzipation der Frau und den 68ern wurden immer mehr Tätigkeiten als Arbeit definiert. Zuerst alle körperlichen Arbeiten außerhalb eines Arbeitgeberverhältnisses (z.B. Haushaltstätigkeiten), dann immer abstraktere Tätigkeiten (Kunst, Steuererklärungen, Bloggen), bis schließlich manche sogar das "Nichtstun" als Kunst und somit Arbeit definierten.
Aller Arbeit gleich ist jedoch, dass diejenigen, welche die Arbeit verrichteten, entweder Geld dafür bekommen, oder es zumindest wollen (und sei es durch Ausgabensparen).
In diesem Sinne muss auch die Arbeitslosigkeit gesehen werden. Denn arbeitslos ist nicht ein Mensch, der keine Arbeit macht, sonder ein Mensch, der dafür nicht bezahlt wird. Dabei ist es irrelevant, ob ein Mensch eine andere Einkommensquelle hat.
Weder wird bei Multimillionären, die von den Zinsen ihres Vermögens leben, von Arbeitslosen gesprochen, noch bei Rentnern, Kindern oder Menschen, die keine Arbeit erledigen können, für die Arbeitnehmer bezahlen würden.
Es ist sogar völlig egal, ob die Arbeit Sinn macht oder nicht. So zählen auch Versicherungsvertreter, Soldaten oder Spekulaten zu den bezahlten Arbeitnehmern. Dabei wäre in einer Gesellschaft, die solidarisch zusammenhält und gemeinsam entscheidet, wo welche Ressourcen verwendet werden, keiner dieser Berufe von Nutzen. Im Gegenteil, Soldaten vernichten sogar oft die Arbeit anderer, und wie mittlerweile jedem klar sein dürfte, Spekulanten auch.
Letztendlich ist "Arbeit eben nur eine Sekundärtugend, mit der man" [auch hier habe ich den Autor gerade nicht parat] " auch KZs errichten kann".
Im Gegensatz dazu zählen viele Arbeiten, die der Gesellschaft einen großen Nutzen bringen, nicht als Arbeit. So kann der Jugendtrainer im Sportverein, die nette Nachbarin, die beim Umzug hilft, der Künstler, der umsonst in seiner Lieblingskneipe spielt, die couragierte Frau, die spontan euer Auto repariert, wenn es liegengeblieben ist, der Freund, der um halb drei Uhr Nachts sich noch den Liebskummer anhört, und auch die Person, die euch aufhilft wenn ihr mal gefallen seid, arbeitslos sein. Und das sogar, wenn die sinnvollen Tätigkeiten mehr als 40 Stunden die Woche umfassen.
"Arbeitslos" ist eben ein von der Gesellschaft geschaffenes Konstrukt, das bezahlte Tätigkeit für Geld aufwertet und jede andere abwertet.
Wäre es nicht viel sinnvoller, alle sinnvolle Arbeit auf alle, die diese Tätigkeiten ausführen können, gerecht aufzuteilen? Denn auch um den Status quo aufrecht zu erhalten, wird es noch lange genug Arbeit für alle geben. Und eigentlich gibt es auch genug Dinge wie Essen, Bildung oder Strand, so das niemand davon ausgeschlossen werden muss.
Natürlich gibt es da den berechtigten Einwand, dass die Menschen dazu neigen, Arbeit zu vermeiden. Solange man es nur alleine tut, wird das Faulheit genannt, wenn man es für alle ermöglicht, heißt es Genie.
Um das zu überwinden, gab es früher drakonische Strafen, und heutzutage Geld. Was eigentlich auf dasselbe hinausläuft, denn wer kein Geld hat, muss auch in dieser Gesellschaft hungern, frieren oder sich in Lumpen kleiden, was einem Pranger nahe kommt.
Natürlich kann man Menschen mit Geld dazu bekommen, in dieser Gesellschaft zu arbeiten. Und vielleicht ist es noch nicht einmal die schlechteste Lösung. Aber braucht man dazu denn wirklich eine solche Drohung, wie arbeitslos sein ?
Arbeitslos ist eben in der heutigen Gesellschaft nichts Anderes als die Drohung "Arbeite oder stirb." Auch wenn dies selten so ausgesprochen wird, erinnert es doch eher an düstere Zeiten unserer Geschichte. Und wer meint, dass dies zu hart wäre, der sollte sich überlegen, wie man mit einer 30 %-Kürzung des Arbeitslosengeldes II leben soll, wenn angeblich 100 % schon das Existenzminimum ist.
Dabei gibt es eigentlich humanistische Werte, die behaupten, dass ein Menschnenleben an sich schon ein Wert ist, das es zu erhalten gibt. Im Gegensatz dazu ist Arbeit eigentlich ein Übel, das es nach Möglichkeit zu veremeinden gilt. Sonst hätten weder Waschmaschinen, noch Räder oder auch Computer eine Berechtigung in dieser Gesellschaft.
Und daher sollten wir doch froh sein, wenn es jetzt schon Menschen gibt, die nicht arbeiten müssen. Und darauf hin "arbeiten", dass es mehr werden. Und auf dem Weg dahin sowohl die Arbeit wie die Ressourcen (hier meist Geld) einigermaßen fair verteilen. Denn im Moment ist noch niemand wirklich arbeitslos. Und die Welt auch noch lange nicht fertig.
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